Persönlich

Kleine Hunde  von Matthias Egersdörfer

Christian Rösners Atelier befindet sich in einem Hinterhaus in der Nürnberger Südstadt. Wenn man sich dort mit dem Künstler verabredet hat öffnet man zuerst eine große Holztür. Man läuft durch die Einfahrt des Vorderhauses und steht dann im Hinterhof. Dieser Hof ist zeitweise das Revier eines sechsköpfigen Rudels Chinesischer Schopfhunde. Hier haben Sie während der wärmeren Monate des Jahres in einer schattigen, bewachsenen Ecke ihren Stammplatz. Von diesem Headquarter aus beherrscht die Hundebande ihre kleine Welt. Jedem Eindringling wird eindeutig mitgeteilt, wer an diesem Ort das alleinige Sagen hat. Zu diesem Zweck rottet sich die Bande Nackthunde stets vollständig zusammen. Mit hochstimmigem Gekläffe und echauffiertem Gejaule wird der Fremdling am Tatort gestellt. Der Anführer des Aufstands ist zugleich das ängstlichste Tier. Nicht größer als 30 cm stürzt sich der haarlose Rüde, vor Aufregung am ganzen schmächtigen Leib stark zitternd, in den direkten Angriff. Hinter ihm stehen die anderen fünf Mitstreiter. Nackthäutig und nur teilweise mit langen seidigen Haarschöpfen am kleinen Köpfchen unterstützen Sie die Aufregung auf ihren graziösen Hasenpfoten. Ein beherzter Schritt in Richtung der Meute und ein deutliches Wort können dem Spuk meist schnell ein Ende bereiten, und die Halbstarken trollen sich kleinlaut. Rösner begegnet seinen vierbeinigen Nachbarn zwangsläufig des öfteren. Ganz spurlos gingen diese Zusammentreffen bestimmt nicht an dem Bildhauer vorbei. Einer der Hunde stand Rösner bereits für Skizzen Modell und es ist gut möglich, dass immer wenn der Künstler einen kleinen Hund darstellt, die Chinesischen Schopfhunde aus dem Vorderhaus ihre Pfoten mit im Spiel haben.